Bei ihrer Ankunft in der Fachklinik Hirtenstein im Allgäu sind viele Patienten körperlich geschwächt, innerlich erschöpft. Die Sucht hat deutliche Spuren hinterlassen. Schlafstörungen treten häufig in der Entgiftungsphase und in der Langzeittherapie auf. „Abends dreht sich alles in meinem Kopf. Ich bin müde – aber komme nicht zur Ruhe.“ Diese oder ähnliche Aussagen kennen wir gut. Die Schlafqualität spielt eine zentrale Rolle in der Genesung. Schlafstörungen können das Rückfallrisiko erhöhen, den gesamten Genesungsprozess ins Wanken bringen. Deshalb legen wir in unserer therapeutischen Arbeit einen großen Wert auf die Unterstützung der Rehabilitanden im Bezug auf ihre Schlafhygiene.
Rituale statt Reizüberflutung
Unsere Rehabilitanden lernen, wie wichtig feste Strukturen am Abend sind: kein Fernsehen, kein Handy, keine belastenden Gespräche, kein Koffein, kein Zucker. Stattdessen ein kurzer Spaziergang, ein warmes Fußbad, eine ruhige Umgebung, feste Schlafenszeiten. Anfangs fällt ihnen das oft schwer – doch sie merken: Es tut gut.
Lavendel statt Grübelei
Dann kommt die Aromapflege ins Spiel: Lavendel, Orange oder Melisse – Badezusatz, Riechstift oder Beduftung. Oft stehen die Rehabilitanden „dem Zeug“ skeptisch gegenüber, lassen sich dann aber meist doch überzeugen – und sind positiv überrascht von der beruhigenden und stabilisierenden Wirkung dieser kleinen Hilfsmittel. Einschlafen ohne zu Grübeln – endlich wieder möglich.
„Ich hab gedacht, das klappt nie.“
Nach ein paar Wochen bekommen wir im Gruppengespräch oft das Feedback: „Ich hab gedacht, das mit dem Schlaf wird nie wieder was – aber ich hab letzte Nacht sieben Stunden durchgeschlafen.“ Der Applaus der anderen tut sichtbar gut, macht auch ein bisschen verlegen und stolz.
Kleine Impulse – große Wirkung
Für uns ist es Alltag – und jedes Mal wieder besonders: Denn wer wieder schlafen kann, gewinnt nicht nur Kraft, sondern auch Zuversicht. Die Verbindung aus Schlafhygiene und Aromapflege ist dabei oft der erste Schritt, den wir gemeinsam mit unseren Rehabilitanden gehen. Ein kleiner Schritt – mit großer Wirkung.